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Warum das Klima an der Costa Blanca so gesund ist

 

Mediziner und die Weltgesundheitsorganisation bescheinigen der Costa Blanca ein Heilklima. Immer mehr Ärzte, Kliniken und Wellnesszentren kümmern sich um das Wohlbefinden ihrer Kunden.
Klaus Bucher ist Medizin-Metrologe beim Deutschen Wetterdienst in Freiburg und untersucht den Einfluss des Wetters auf die Gesundheit.
Was macht das Klima an der Costa Blanca so gesund?
Ausschlaggebend ist die gefühlte Temperatur, die von der tatsächlichen Temperatur, der Luftfeuchtigkeit, der Sonnenstrahlung und dem Wind abhängt. Bei gefühlten Temperaturen im so genannten Komfortbereich zwischen 0 und 20 Grad Celsius fühlt sich der Körper wohl. Wir sind gesund. An der Costa Blanca bewegt sich die gefühlte Temperatur das ganze Jahr über diesen Komfortbereich, denn im Sommer mildert der Küstenwind die grosse Hitze.

Also fühlen wir uns wohl weil die Sonne scheint?
Ja, aber ausserdem existieren hier wesentlich stabilere thermische Verhältnisse als in Mitteleuropa, das in einer Frontalzone unter dem Einfluss des westlichen Grundstroms liegt. Die ständige wechselnden Tiefs und Hochs dort machen dem Körper zu schaffen.

Bei welchen Beschwerden ist das Klima Besonders heilsam?
Der Herz-Keislauf-Apparat, der für die Anpassung des Körpers an Wetterschwankungen sorgt, wird weniger stark belastet. Der warme, jodhaltige Wind ist hervorragend für die Atemwege und lindert degeneratives Rheuma. Bei Arthritis dagegen ist Vorsicht geboten, weil das feuchte und im Winter auch kühle Wetter zu einer Verschlimmerung der Beschwerden führen kann.

Gibt es noch andere Nachteile?
Dass starke UV-Strahlung ein Risiko birgt, ist bekannt. Ausserdem ist zu bedenken, dass die Fähigkeit des Körpers, sich an extreme Temperaturen anzupassen, hier nachlässt. Wer also lange an der Costa Blanca gelebt hat und wieder nach Mitteleuropa zurückkehrt, könnte Schwierigkeiten bekommen.

Hans-Dieter Hofmann fühlt sich fit. Und das, obwohl der 71-Jährige aus Guardamer drei Herzinfarkte überlebt hat. Der Gesundheit zuliebe ist er dreimal umgezogen, zuerst nach Freiburg, die Stadt gilt immerhin als sonnigste Deutschlands. Dann nach Südfrankreich.
Aber besser geht es ihm erst, seitdem er an der Costa Blanca lebt. „In Deutschland klagte ich ständig über eiskalte Hände und Gelenkschmerzen“, erinnert er sich, „doch die gehören jetzt der
Vergangenheit an“.

Wie Hoffmann geht es vielen. Das heilsame Klima ist einer der Hauptgründe, den Lebensabend an der Küste zwischen Denia und dem Mar Menor zu verbringen. Die 320 Sonnentage im Jahr, die Wetterstatistiker gezählt haben, sind kaum zu schlagen. Kein Wunder, dass die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf die Costa Blanca in ihren offiziellen
„Healthy Life Expectancy Rankings“ regelmässig zu den gesündesten Regionen der Welt zählt.

Klinikleiter Parviz Chayan, der sich vor 21 Jahren als erster ausländischer Arzt an der Costa Blanca niedergelassen hat, gerät regelrecht ins Schwärmen: Bei Hautkrankheiten, Rheuma oder Asthma verschaffe die gesunde Luft fast in allen Fällen Linderung. Fabrikschornsteine, die das Klima vergiften würden, seien hierzulande unbekannt. „Ich habe meinen Patienten oft geraten, ans Meer zu gehen und dort einen Ballon aufzublasen, um die gute Luft richtig in die Lungen zu saugen“, sagt Chayan, der vor kurzem in den Ruhestand gegangen ist.

Zu den Medizinern der ersten Stunde gehört auch Axel Haines, der sich seit 18 Jahren als Hals-Nasen-Ohrenarzt in Denia praktiziert. Auch er lobt die Wirkung der warmen, jodhaltigen Seeluft für Atemwege und Schleimhäute, warnt allerdings: „Wer mit einer Beschwerde herkommt, die nicht völlig auskuriert ist, wird hier unter Umständen erst richtig krank“. In den ersten Tagen sollten Neuankömmlinge deshalb möglichst viel schlafen, um sich behutsam zu akklimatisieren. Dann können sie vom Heilklima profitieren, das es wirklich in sich zu haben scheint: „Viele, die in Deutschland auf den Rollstuhl angewiesen sind, können hier problemlos am Stock gehen“, sagt Haines, der im baskischen Bilbao studiert hat und dessen Patienten zu drei Viertel Ausländer sind.

Während der Zahl der ausländischen Ärzte an der Costa Blanca in den 90er Jahren sprunghaft zugenommen hat – mittlerweile wird ihre Zahl auf 360 geschätzt – steigt die der deutschsprachigen Residenten nur langsam. „Der Kuchen wird nicht grösser“, drückt es Haines aus.
Viele Ärzte behelfen sich damit, auch das Gebiet der alternativen Heilmethoden zu beackern, von Handauflegen und Reiki bis hin zur Edelsteintherapie.

Auch wenn Schulmediziner die Nase rümpfen – Naturmedizin und Wellness liegen gerade an der
Costa Blanca im Trend. Das hat auch der Touristiksektor erkannt.
„Es gibt kaum ein grosse Hotel, das inzwischen nicht auch auf Gesundheits- und Wellnessangebote setzt“, bestätigt Esperanza Gallego, die Sprecherin des Tourismusverbandes der Costa Blanca.
Einerseits erfragen Touristen diese Angebote immer häufiger und andererseits sehen die Hoteliers darin eine ganzjährige Alternative zum Sonne-Strand-Tourismus, der auf den Sommer beschränkt ist.
So haben sich speziell am Mar Menor die bekanntesten spanischen Zentren für Thalasso-Therapie niedergelassen. Zum gesunden Entspannen laden die Thermalbäder  in Archena, Banyos de Mula, Fortuna-Leana, Villavella und Oropesa del Mar ein.

Eher gering ist die Zahl der Kranken, die eigens für eine medizinische Behandlung an die Costa Blanca kommen. Bisher ist es eher so, dass ernsthaft Kranke zurück nach Deutschland, Österreich und Schweiz fliegen, um sich dort kurieren zu lassen. Das gilt auch für Pflegefälle. Zwar zahlt die deutsche Pflegeversicherung ihre üblichen Sätze auch im EU-Land Spanien aus. Jedoch kommt sie bei Auslandsresidenten nicht für Sachleistungen wie Krücken, Windeln und Rollstühle auf.
Was nicht heisst, das Costa-Blanca-Residenten auf eine funktionierende Gesundheitsversorgung verzichten müssen. Hans-Dieter Hofmann, der in Spanien seinen dritten Herzinfarkt erlitten hat, unterzog sich beispielsweise einer Bypass Operation in Alicante: „Ich bin sehr zufrieden mit den spanischen Ärzten“, betont  er und fügt hinzu: „Sie haben eine sehr gute Ausbildung und sind nicht so arrogant wie manche Ärzte in Deutschland.“

Auch die Zahl der staatlichen Gesundheitszentren an der Costa Blanca nimmt zu. Dass es dennoch immer wieder zu Engpässen kommt, liegt für Haines auf der Hand: „Wir dürfen nicht vergessen, dass wir hier auf dem Dorf und nicht in der Grosstadt leben.“ Die Sprache jedenfalls ist meist keine Hemmschwelle mehr: grosse Privatkrankenhäuser wie etwa die Clinica Benidorm, die Clinica Vistahermosa in Alicante, die Clinica San Carlos in Denia und das Hospital San Jaime in Torrevieja beschäftigen eigene Übersetzer.